Elf Stühle und ein Auszugstisch –
ein Esszimmer-Ensemble kehrt zurück
Stühle und Auszugstisch nach der Restaurierung – elf Stühle, ein Tisch, ein gemeinsames Bild.
Der Ausgangszustand
Feucht gelagert,
unter Schleier.
Ein komplettes Esszimmer aus Eiche kam ins Atelier: elf Stühle mit geschwungenen Beinen und durchbrochener Rückenlehne, ein Auszugstisch mit zwei Ansteckplatten und ein Sideboard, entstanden in den 1920er- oder 1930er-Jahren. Die Möbel hatten längere Zeit in einem Keller gestanden und waren dort feucht geworden.
Die Folgen waren auf allen Stücken zu sehen: Der Lack war stark krepiert, also milchig-trüb geworden, sodass die Eichenmaserung kaum noch zu erkennen war. Auf den Ansteckplatten des Tisches wirkte die Oberfläche weißlich, stellenweise sogar grünlich. An den Stühlen lag ein weißlicher Schleier, an einigen Stellen mit Schimmelbildung. Dazu kamen Abrieb und Beschädigungen an den Stühlen sowie konstruktive Instabilität an den Stühlen und vor allem am Tisch.
Schadensübersicht
- —Feuchtigkeitsschaden durch Lagerung im Keller
- —Lack stark krepiert, Maserung kaum sichtbar
- —Ansteckplatten weißlich bis grünlich verfärbt
- —Weißlicher Schleier und Schimmelbildung an den Stühlen
- —Lose Füße und gelöstes Furnier am Tisch
- —Abrieb, Kratzer und Risse an den Stühlen
- —Sideboard: Stockflecken, Tassenränder und eine alte, deckende Lasur

Ansteckplatte: krepierter Lack, weißlich-grünlich

Ansteckplatte: Maserung unter trübem Lack verschwunden

Rückenlehne: Kratzer, stumpfe Oberfläche

Stuhllehne: weißlicher Schleier

Zarge und Bein: Schleier und Abrieb

Lehne: Kratzer und Riss
Das Vorgehen · rund 40 Stunden für Stühle und Tisch
Reinigen
Alle Oberflächen von Schmutz und Schimmelbelag befreien, ohne die gealterte Originaloberfläche abzutragen.
Stabilisieren
Lose Tischfüße neu verleimen und unter Zwingen pressen, gelöstes Furnier niederlegen und pressen, Fehlstellen und Risse kitten.
Farbe angleichen
Die weißlich verfärbten Ansteckplatten farblich an die Mittelplatte heranführen, damit der ausgezogene Tisch wieder als eine Fläche wirkt.
Schellack
Tischplatte, Seitenteile, Gestell und alle elf Stühle mit Schellack überarbeiten – die Eichenmaserung wird wieder lebendig.
Retusche
Abgestoßene Kanten, helle Kratzer und gekittete Stellen farblich retuschieren, bis sie im Gesamtbild zurücktreten.
Abschluss
Ein abschließender Schutzüberzug auf den Stühlen, damit die Oberfläche dem Alltag wieder standhält.

Lose Füße am Tischgestell: neu verleimt und gezwingt

Ansteckplatte während der Farbangleichung

Gegenüberstellung derselben Rückenlehne vor und nach der Reinigung: Unter dem trüben Lack kommt die Eichenmaserung wieder zum Vorschein.
Was ist krepierter Lack?
Wenn eine Lack- oder Schellackoberfläche über längere Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt ist, wird sie milchig-trüb – Restauratoren sprechen von krepiertem Lack. Die Oberfläche streut das Licht, statt es durchzulassen, und die Holzmaserung verschwindet unter einem weißlichen Schleier. Das Holz selbst ist dabei meist unversehrt; der Schaden sitzt in der Oberfläche.
Warum Schellack?
Neue Schellackschichten verbinden sich mit älteren, und die Oberfläche bleibt mit Alkohol wieder lösbar. So lässt sich eine Oberfläche ergänzen und auffrischen, statt sie abzuschleifen – Patina und Alter der Möbel bleiben erhalten.
Ein Satz, kein Einzelstück
Elf Stühle,
ein Bild.
Bei einem Stuhlsatz ist nicht der einzelne Stuhl die Herausforderung, sondern die Einheitlichkeit. Jeder der elf Stühle hatte eigene Schäden, am Ende sollen sie trotzdem nebeneinander stehen, als wären sie nie getrennt gewesen. Deshalb wurden Reinigung, Schellack und Retusche an allen Stühlen im gleichen Ablauf durchgeführt und zum Schluss im Vergleich nebeneinander abgestimmt.
Die Sitzpolster hat im Anschluss ein Polsterer neu aufgebaut und bezogen: sieben Stühle in Leder, vier in grünem Stoff.
Das Ergebnis
Gepflegt, einheitlich –
und noch immer alt.
Der Tisch

Vorher: Platten einzeln, Lack trüb und fleckig

Nachher: ein Farbton, lebendige Maserung

Übergang Mittel- und Ansteckplatte
Die Stühle

Sieben Stühle mit Lederbezug

Detail: Lehne und Zarge in Eiche

Vier Stühle mit grünem Stoffbezug
Tisch und Stühle stehen wieder als Ensemble da. Der trübe Schleier ist verschwunden, die Ansteckplatten fügen sich farblich in die Tischplatte ein, die Eichenmaserung ist unter dem Schellack wieder sichtbar, und die Gebrauchsspuren sind zurückgenommen, ohne dass die Möbel ihr Alter verleugnen. Genau das ist das Ziel einer Restaurierung: kein Möbel „wie neu“, sondern eines, das gepflegt und vollständig aussieht und seine Geschichte behält.

Das Sideboard vor der Restaurierung

Deckplatte: Tassenrand

Stockflecken aus der feuchten Lagerung
Wie es weitergeht
Fortsetzung
folgt.
Das Sideboard ist noch in Arbeit. Neben Stockflecken aus der feuchten Lagerung und Tassenrändern auf der Deckplatte trägt es eine alte, unvorteilhafte Lasur, die die Holzmaserung vollständig übertüncht. Ziel ist, ihm sein ursprüngliches, authentisches Erscheinungsbild zurückzugeben: gründliche Reinigung, Reduzierung der Stockflecken und eine Überarbeitung der gesamten Oberfläche. Sobald es fertig ist, ergänze ich den Beitrag.
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